Wir setzen uns jeden Tag mit Farben als Gestaltungsmittel auseinander. Hier haben wir zusammen getragen, was uns dabei besonders wichtig ist.
###Frage 1: Was ist die wichtigste Rolle von Farben in Räumen?
Antwort: Farben spielen eine entscheidende Rolle in der Innenarchitektur, da sie die Stimmung und Atmosphäre eines Raumes maßgeblich beeinflussen. Sie geben Struktur, begrenzen oder öffnen. Dunklere Töne können Gemütlichkeit und Intimität schaffen. Die richtige Farbwahl kann auch die Funktionalität eines Raumes unterstützen, indem sie beispielsweise in einem Arbeitszimmer Konzentration fördert, im Schlafzimmer Ruhe ausstrahlt. Ich zum Beispiel würde Schlafzimmer immer in satten dunklen Farben streichen (vor allem, wenn man ohne Rollläden schläft): Das Aufwachen wird viel angenehmer, als wenn man von grellem Weiß geblendet wird.
![]()
###Frage 2: Wie beeinflussen Farben unsere Emotionen?
Antwort: Farben haben eine starke psychologische Wirkung auf uns. Zum Beispiel wird Blau oft mit Ruhe und Entspannung verbunden, während Rot Energie und Leidenschaft ausstrahlt. Es ist wichtig, die Emotionen, die der Mensch mit bestimmten Farben verbindet, zu verstehen, um sie gezielt in der Gestaltung einzusetzen.
![]()
###Frage 3: Was sind häufige Fehler, die Menschen bei der Farbwahl machen?
Antwort: Gar keine Farbe zu nehmen. Gerade wir Deutschen verstecken uns in höchster Sicherheit von Weiß. Dabei ist Farbe in meinen Augen der einfachste und wirkungsvollste Weg, einen Raum aufzuwerten und zu verändern. Und: Weil viele Leute Angst vor einer falschen Entscheidung haben, wird dann nur eine Wand gestrichen und der Rest bleibt weiß. Gerade bei kräftigen Farben und kleinen Räumen würde ich davon dringend abraten: Der Kontrast zu reinweiß ist oft zu heftig, zu grell, bei kleinen Räumen bzw. Zu kleinen abgesetzten Flächen sind die Unterbrechungen zudem eher störend. Und: Farben nur in kleinen Proben zu betrachten, ohne sie im gesamten Raum zu sehen.
### Frage 4: Wie entscheide ich mich für eine Farbe?
Am besten nicht von Instagram und anderen Räumen auf Fotos leiten lassen. Was woanders toll aussieht, kann unter Umständen überhaupt nicht zu meinem Raum passen. Und: Ich empfehle, größere Farbmuster zu verwenden und die Farben bei verschiedenen Lichtverhältnissen zu betrachten.
###Frage 5: Hast du eine Lieblingsfarbe?
Antwort: Lieblingsfarbe? Es gibt eher einige wenige Farben, die ich gerne mag. Aber wenn ich mich festlegen müsste, wäre es vermutlich Blau! Blau vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit, und es erinnert mich an den Himmel und das Wasser. Es ist eine Farbe, die in vielen Kulturen positive Assoziationen hervorruft und sich gut in verschiedenen Räumen einsetzen lässt, sei es in einem Schlafzimmer für Entspannung oder in einem Arbeitszimmer für Konzentration. Abgesehen davon bildet Blau einen wunderschönen Kontrast zu Holzböden oder Holzmöbeln.
![]()
###Frage 6: Was hältst du davon, bestimmte Bereiche eines Raumes unterschiedlicher Farben zuzuordnen, um die Bereiche zu trennen?
Antwort: Ich halte das für eine hervorragende Idee! Die Verwendung unterschiedlicher Farben zur Abgrenzung von Bereichen kann helfen, verschiedene Funktionen eines Raumes zu definieren und eine klare Struktur zu schaffen oder die Architektur des Raumes zu unterstreichen. Zum Beispiel kann man in einem offenen Wohnbereich den Essbereich in warmen, einladenden Tönen gestalten, während der Wohnbereich in kühleren, entspannenden Farben gehalten wird. Dies fördert nicht nur die Funktionalität, sondern kann auch visuelles Interesse und Dynamik in den Raum bringen. Es ist wichtig, dabei auf eine harmonische Gesamtwirkung zu achten, damit die Farben gut miteinander harmonieren. Im Übrigen: Farben können auch aufräumen ... in Räumen, die keine klare Struktur haben.
![]()
###Frage 7: Wie denkst du über Farbtrends? Sollte eigentlich nicht das Ziel sein, ein zeitloses Design zu erhalten?
Ich würde mich nicht unbedingt von Trends beeinflussen lassen, sondern immer die eigene Vorliebe in den Vordergrund stellen. ABER: Ich finde auch ein Anstrich muss nicht für die Ewigkeit sein! Ein Zimmer ist schnell neu gestrichen, wenn man alle paar Jahre dem Zimmer ein neues Gesicht verpassen will, ist das doch völlig in Ordnung. Bei Kleidung haben wir ja auch hin und wieder Lust auf etwas Neues. Das darf auch fürs Zuhause gelten. Zu Vorsicht und klassischen Farben würde ich eher bei Möbeln raten: In der Regel wird ein Sofa - wenn überhaupt - alle 20 Jahre mal neu gepolstert. Oder eine Küche, die hat meist eine ähnliche Lebensdauer. Statt einer blauen Küche würde ich daher die Wand dahinter blau streichen. Der Anstrich ist zum einen weitaus kostengünstiger und muss gerade in stark beanspruchten Räumen ohnehin in kürzeren Abständen erneuert werden.
###Frage 8: sonst noch Gedanken, die du loswerden willst?
Viele von uns mieten ja nur eine Wohnung. Daher haben hier häufig Menschen Angst vor dem Investment und der Arbeit. Ich finde immer: Das Zuhause ist ein Ort, an dem ich viel Zeit verbringe. Es soll ein Ort sein, an dem ich mich wohlfühlen. Ein Viertel aller Mieter wohnen länger als 20 Jahre in einer Wohnungen. Wenn ich dann ein paar Euro investiere und einen Eimer und einen Pinsel kaufe, ist das doch eigentlich ein minimaler Kostenpunkt mit maximaler Wirkung... Und: Nichtmals in allen Fällen muss die Farbe bei Auszug entfernt werden. Gerade bei Langzeitmietern muss der Vermieter ohnehin renovieren, dann ist es ihm auch oft egal, ob ein Zimmer bunt ist. Oder: Wenn man einen Nachmieter sucht, ist der sogar manchmal ganz froh, dass wer anders Mut zur Farbe bewiesen hat. Ich habe in all meinen Wohnungen, in denen ich gelebt habe, den Nachmietern Farbe hinterlassen. Alle haben sie so genommen und gelassen - und gemocht. Bis auf die Diele in meiner allerersten eigenen Wohnung; das Grün hat meine Nachmieterin doch tatsächlich überstrichen. Da habe ich dann überlegt, ob es wohl die richtige Nachmieterin für meine Wohnung war. (lacht)
![]()